Bericht im Format
Jänner 2010
Der Sizilianer Stefano Scarnà kocht das Chaos ein
Ein Lokal wie ein Theaterstück: in der Hauptrolle der Wirt. In der nach vorne offenen Küche lässt er plötzlich meterhohe Stichflammen auflodern. „Fuoco, fuoco“, schreit er begeistert. Gleichzeitig irrlichtert ein italienischer Kellner mit einem Teller Pasta in Händen durchs Lokal und ruft zum Wirt: „Welches ist Tisch vier?“ Er weiß es offensichtlich nicht, was die Arbeit eines Cameriere nicht gerade einfach macht. Eine österreichische Aushilfskellnerin steht daneben und weiß noch weniger. „Was es heute zu essen gibt? Ich hab keine Ahnung. Moment, ich muss fragen.“
Speisekarte gibt es in der neuen „Osteria Mamma Concetta“ an der Ecke Ramperstorffergasse/ Margaretenstraße keine. Wer Glück hat, zu dem kommt der Kellner nach einiger Zeit und berichtet, was es heute nicht mehr gibt. „Aha, und was können wir dann essen? „Oh, scusi Signori, da muss ich fragen.“ Irgendwann herrscht dann Klarheit. Und irgendwann kommt dann auch das Essen. Dazwischen huscht noch der Chef vorbei und palavert mit einigen Gästen. Der Sizilianer Stefano Scarnà aus Palermo ist ein Selbstdarsteller alter Schule. Ein Kleinkunst-Unterhalter. Wild gestikulierend erzählt er von sizilianischen Weinproduzenten, die ihm angeblich eine „erste Pressung“ zukommen lassen. Keiner weiß, was damit gemeint ist. Vielleicht auch er nicht. Macht nichts, denn der Mann kocht gut. Pasta mit Muscheln und Scampi, ein herrliches Lammkotelett, eine Porchetta mit Gemüse. Und zum Schluss sizilianische Canneloni. Eine Aufführung wie im „Teatro Massimo“ in Palermo.